Change Management Prozesse – systemisch betrachtet

Systemischer Ansatz im Change Management Definition und Allgemeines zu Change Prozessen

 Winds of change

Grundsätzlich werden unter Change- oder Veränderungsmanagement die fortlaufenden Anpassungen und Optimierungen unternehmerischer Strategien und Managementkonzepte an sich verändernde Rahmenbedingungen verstanden.

Der Wandel gilt dabei nicht etwa als Ausnahmefall, sondern als das einzig Beständige, also als regelhafte Erscheinung. So fallen etwa Prozesse der globalen Veränderung, seien es Liberalisierung des Handels, Revolutionen oder geplante Reformen, in den Bereich des Change Managements. Auch Veränderungen in der unmittelbareren Unternehmensumwelt, etwa der Wandel von Eigentümerstrukturen, erfordert Anpassungsprozesse.

Im Wesentlichen werden unter den Paradigmen zum Change Management zum einen „harte“ Ansätze (wie etwa Corporate Transformation oder Business Transformation) wie auch „weiche“ Ansätze aus der Organisationsentwicklung unterschieden. Zunehmende Verbreitung finden nach Jahren dieser dominierenden Paradigmen systemische beziehungsweise ganzheitliche Ansätze.

 

Bedeutung von Veränderungsprozessen für Unternehmen

Change

Umgang mit Change-Herausforderungen ist in Anbetracht des immer schneller werdenden Auftretens von Veränderungen in vielen Unternehmen eine Kernkompetenz. Zu den allgegenwärtigen Veränderungen gehören so verschiedene Dinge wie die Veröffentlichung neuer Produkte, Einführung neuer IT-Infrastruktur, Ausbau der Unternehmensnetzwerke, Einführung virtueller Teams, Fusionen, Übernahmen sowie auch Veränderungen in der erweiterten Umwelt des Unternehmens.

Veränderungen finden dabei in immer kürzeren Zyklen und oft gleichzeitig statt. Hierbei führen sie oft zu widersprüchlichen Herausforderungen, die ein angepasstes Change Management erfordern. Zeitliche Eingrenzung von Veränderungen ist nicht mehr möglich, viel mehr sind sie als andauernder Prozess zu verstehen. Gleichzeitig steigt die Unsicherheit in der Umwelt von Organisationen. In zunehmendem Maße werden Systeme, in die das Unternehmen eingebettet ist, mit diesem komplexer. Auch dies erfordert ständige Anpassung und im Besonderen eine systemische Betrachtungsweise.

Verschiedene Organisationen haben hierbei unterschiedliche Veränderungs- und Umweltfaktoren zu berücksichtigen, so dass Change Management jeweils passgenaue Lösungen finden muss und keine universellen Lösungsansätze bieten kann. So ist bei volatilen Umwelten die Arbeit mit Zielbildern besonders wichtig. Bei unsicherer Umwelt ist die Förderung des Verstehens der Zusammenhänge relevant. Bei besonders komplexer Umwelt steht die Schaffung von Klarheit im Fokus. Systemische Ansätze entschlüsseln hierbei die jeweiligen Herausforderungen und decken die passenden Strategien auf.

 

Systemischer Ansatz

 Systemisch

 

Grundlage des systemischen Ansatzes ist die Betrachtung der Zusammenhänge zwischen Systemen und Umwelt. Die Umwelt selbst wird verstanden als System komplexer dynamischer Systeme und Subsysteme. Unternehmen selbst sind demnach soziale Systeme, wobei die Mitglieder wesentlicher Bestandteile des inneren Aufbaus sind.  Die Kernelemente sozialer Systeme sind nach Niklas Luhmanns Systemtheorie verschiedene Kommunikationsprozesse.

Modelle zur Komplexität von dynamischen Systemen postulieren ein Ungleichgewicht innerhalb von Organisationen durch die Unvorhersehbarkeit der unmittelbar bevorstehenden Zukunft. Veränderungen gehen hierbei nicht geplant vonstatten sondern sind hochgradig ungewiss. Mitursache sind Ungleichgewichte in Machtverhältnissen, unterschiedliche Auffassungen und damit verknüpfte Spannungen. Daraus ist abzuleiten, dass sich auch Unternehmen in einem fortdauernd dynamischen System befinden. Ergebnis ist Instabilität, die durch Ansätze des Change Managements beherrschbar gemacht werden soll.

 

Change Management unter systemischen Herausforderungen

workshop

Bezogen auf Blickwinkel und Strategien des Change Managements ist abzuleiten, dass Problemdiagnosen und entsprechende Maßnahmen nicht bei den Personen selbst anzusetzen sind. Im Fokus stehen Handlungen der Akteure, besonders Kommunikationsprozesse sowie deren Konsequenzen.

Systemische Ansätze zu Change Prozessen stehen damit im Gegensatz zur üblichen Unternehmensberatung, die oft versucht, äußere Lösungen auf ein bestehendes System zu übertragen. Systemisches Change Management versucht, mit den Akteuren in der Organisation angemessene Lösungen in Hinblick auf bestehende Strukturen und Unternehmenskultur zu schaffen.

Die Gestaltung von Change Prozessen bezieht sich einerseits auf Methoden im Umgang mit Umweltfaktoren, etwa mit politischen Einflüssen auf das unternehmerische Handeln. Die interne Gestaltung von Betriebsabläufen in Anbetracht der Veränderungen ist ein weiteres Thema, das etwa systemisches Projektmanagement und die Kommunikation in Veränderungsprozessen betrifft. Der Umgang mit Mitarbeitern und Partnern als Menschen ist im Hinblick auf die Akzeptanz der Veränderungen, möglichen Widerstand und Konflikte ebenso Gegenstand der systemischen Betrachtung.

Primäres Ziel im systemischen Ansatz des Change Management ist die Entwicklung, Initiation und Begleitung dauerhafter und nachhaltiger Veränderungsprozesse. Im Sinne der angemessenen Anpassung des Unternehmens an die Herausforderung durch Veränderungen soll Change Management auch die Wettbewerbsfähigkeit erhalten.